Ein gelungenes Stück Integration
Bestellungen werden laut durchgegeben, der Geschirrspüler klappert, heiteres Stimmengewirr erfüllt die Terrasse – es herrscht Hochbetrieb in der Bäregghöhe. Doch nicht Normalbetrieb.

 

Den regulären Betrieb hat das Emmentaler Gasthaus bereits vor rund drei Jahren eingestellt. Anlässlich der 20. Kunstausstellung in Trubschachen hatte die Bäregghöhe aber erneut ihre Türen geöffnet. Vom 1. bis und mit 23. Juli gingen hunderte gebrannte Cremes, unzählige hausgemachte Meringues und viele weitere Köstlichkeiten über die Theke. Die aussergewöhnliche Wiedereröffnung überraschte und erfreute die Gäste zugleich. Schliesslich war die Bäregghöhe bekannt für die exquisite Küche, den ausgezeichneten Service und ihre traumhafte Lage im hügligen Emmental. „Es ist wieder wie früher", meinten die begeisterten Besucher nachdem sie in den Genuss eines köstlichen Menus gekommen waren. Darüber konnte Inhaberin Marianne Kühni nur lachen: Es hatte sich durchaus etwas verändert – insbesondere personaltechnisch. Neben erfahrenem Gastronomiepersonal und studentischen Aushilfen wirkten minderjährige Emigranten im Restaurant mit. Eine Betreuungsperson begleitete die Jugendlichen. Die jungen Frauen und Männer mit teils anerkanntem Flüchtlingsstatus gehören zu den rund 400 unbegleiteten Minderjährigen, welche im Kanton Bern um Asyl ersucht haben. Diejenigen, welche in der Bäregghöhe arbeiteten, gehören zum Wohnheim Bäregg in Bärau.

 

Es ist Samstagnachmittag, es verbleiben nur noch zwei Tage bis zum Austellungsende. Die Jugendlichen schnippeln in der Küche Gemüse, polieren Gläser, mischen Getränke und servieren den hungrigen Gästen dampfende Speisen. Marianne Kühni gibt klare Anweisungen – verhätschelt wird hier niemand. Die Jugendlichen haben sich an klare Regeln zu halten: Pünktliches Erscheinen und sauberes Arbeiten wird vorausgesetzt. Projektleiterin Kühni ist zufrieden: „Bislang hat noch niemand gefehlt." Doch die Inhaberin spart auch nicht mit Lob: „Das hast du gut gemacht!", sagt sie zum 17-jährigen Amir, der ihr bei der Zubereitung der Espresso hilft. Die multinationale Zusammenarbeit scheint zu funktionieren. Und das muss sie auch: Ziel des Projektes ist zum einen die Vorbereitung der Jugendlichen auf die Berufswelt, zum anderen soll der dreiwöchige Restaurantbetrieb schwarze Zahlen schreiben.

 

Doch wie kam es zu diesem Integrationsprojekt? Als Marianne Kühni und ihr Mann Thomas Linder nach fünfzehn Jahren erfolgreichem Restaurantbetrieb die Bäregghöhe schlossen, orientierte sich Marianne beruflich neu. Sie fand eine Anstellung im UMA Wohnheim Bäregg in Bärau, wo sie die Stelle „Koordination Arbeit" besetzt sowie im Hauswirtschaftsunterricht mitwirkt. Die 63-Jährige unterstützt die minderjährigen Flüchtlinge und bereitet sie auf die Arbeitswelt vor. Obwohl sie die neue Tätigkeit mit viel Freude erfüllt, hallte das Echo der Bäregghöhe nach: Die Leute vermissten „ihre" Beiz, was sie das ehemalige Wirtepaar auch immer wieder wissen liessen. Bei ihrer neuen Arbeit im Zentrum Bäregg machte Marianne Kühni eine weitere Feststellung: Den Jugendlichen fehlt es an Arbeitsmöglichkeiten. Die Trubschacherin zählte eins und eins zusammen und entwickelte die Idee, welche im dreiwöchigen Integrations-Projekt fruchtete.

 

Die Besucher sind vom Konzept begeistert, die Bäregghöhe ist gewissermassen zu einer Art Kontaktstelle geworden. Und auch die Jugendlichen profitieren von ihrem Arbeitseinsatz in der Bäregghöhe: „Es ist für sie ein Erfolgserlebnis und zeigt ihnen ihre Chancen in der Schweiz auf", sagt Marianne Kühni. Für ihr Engagement wird ihr auch seitens der Jugendlichen grosse Dankbarkeit entgegengebracht. Marianne Kühni erzählt schmunzelnd: „Ein Flüchtlings-Mädchen bot mir sogar an, eine Woche gratis für mich zu arbeiten."